Gastvorträge und Werkstattgespräche 2016


Federico Rossano (University of California, San Diego)

Language evolution and the structure of social interaction in human and non-human primates

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

In recent years, a number of theorists (e.g., Corballis, 1999, Rizzolatti & Arbib, 1999, Tomasello, 2008) have argued that we can use ape gestures to model the evolutionary origins of human language, because of their flexible and intentional use, contrary to most primate vocalizations. Yet to evaluate the gestural origins of language hypothesis, the similarities and differences between the mechanisms that support the gestural communication of great apes and humans language must be better understood. In this talk, I address three issues related to this debate: 1. Is great apes’ gestural repertoire innate or learned (and if so, how)? 2. Is the structure and timing of human social interaction fundamentally different from great apes social encounters? 3. What does language change in terms of communicative possibilities? 

These questions will be addressed by presenting some recent studies on bonobos, orangutans, chimpanzees and human infants.

 


Luigi Rizzi (Universität Genf)

Intervention effects in adult grammars and language acquisition: theory and experimentation

Donnerstag, 10. November 2016, 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

 


Benedikt Szmrecsanyi (Universität Leuven)

World Englishes in a probabilistic grammar perspective

Freitag, 4. November 2016, 08:00 Uhr bis 09:45 Uhr

Englisches Seminar, Plattenstrasse 47, 8032 Zürich

The guest lecture takes place in Marianne Hundt's seminar on World Englishes and is co-sponsored by the English Department and the UZH's research priority project Sprache und Raum (SpuR).

 


Benedikt Szmrecsanyi (Universität Leuven)

Corpus-based dialectometry: why and how

Donnerstag, 3. November 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

 


Luzius Thöny (Bern)

Wellen in computergestützten Simulationen sprachlicher Diffusionsprozesse

Donnerstag, 13. Oktober 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

In den letzten Jahren erfreut sich die computergestützte Simulation sprachlicher Diffusionsprozesse einer zunehmenden Beliebtheit. Eine zentrale Forschungsfrage lautet dabei, welche Diffusionsmechanismen zu einer erfolgreichen Ausbreitung einer Innovation führen. Im Vortrag werden einige Ansätze aus der bestehenden Forschungsliteratur vorgestellt und kritisch gewürdigt. Anhand von Resultaten aus eigenen Simulationen werden Fragen insbesondere zum Konzept der Welle als Metapher für den Diffusionsprozess diskutiert.

 


Michael Schulte (Adger)

Wann wurde das Nordische nordisch? Zu den ältesten sprachlichen Merkmalen des Nordgermanischen und seiner Ausgliederung

Donnerstag, 6. Oktober 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

Eine der höchst umstrittenen Fragen in der nordischen Sprachwissenschaft gilt dem ältesten Nordgermanischen und der Ausdifferenzierung des Nordwestgermanischen. Seit der Entdeckung der Depotfunde älterer "vorklassischer" Runeninschriften von Vimose und Illerup Ådal harrt dieses Problem einer unvoreingenommenen Auswertung. In der Vorlesung werden zunächst die gängigen Modelle zur Ausgliederung des Nordgermanischen diskutiert: Urnordisch - Goto-Nordisch - Nordisch-Westgermanisch. Dabei wird auch das Westgermanische im Lichte neuer südgermanischer Runenfunde angesprochen. 

Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, welchen linguistischen Status die "vorklassischen" Runeninschriften von Vimose und Illerup zwischen 150 und 250 n.Chr. haben. Als Hauptargument der Ausdifferenzierung wird hier aber nicht der reguläre Lautwandel, sondern die Analogie im Flexionsbereich gewertet, speziell im Nominalsystem der a-Stämme und n-Stämme. Es werden fünf Hauptargumente für den nordischen Status klassischer Runeninschriften wie Tune und Gallehus präsentiert. Und selbst die "vorklassischen" Inschriften von Illerup und Vimose werden aufgrund morphologischer Kriterien dem Nordgermanischen zugeordnet.

 


Jürg Fleischer (Marburg)

Morphosyntaktische Arealität im nördlichen Zentraleuropa: Ergebnisse und Analysen aus dem weltweit grössten Parallelkorpus

Donnerstag, 22. September 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

Das weltweit grösste Parallekorpus stellen die so genannten Wenker-Sätze dar: Diese 40 hochdeutschen Sätze wurden zwischen 1879 und 1888 von Georg Wenker (1852-–1911) zur Erhebung dialektaler Daten im Gebiet des damaligen Deutschen Reichs verwendet. Später wurden Wenkers Erhebungen auf praktisch das gesamte kontinentalwestgermanische Gebiet ausgedehnt (in der deutschsprachigen Schweiz etwa wurden die entsprechenden Daten zu Beginn der 1930er Jahre gesammelt). Zentral für die meisten Erhebungen der Wenkersätze war dabei von Beginn weg eine möglichst lückenlose Abdeckung in der Fläche: allein im Deutschen Reich wurden über 46'000 Versionen der Wenkersätze gesammelt, mit den späteren Erhebungen besteht ein Bestand von über 55'000 Versionen, die heute grösstenteils im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg archiviert und über die REDE-Plattform zugänglich sind (https://regionalsprache.de). 
Die Wenker-Materialien bilden einen zentralen Datenbestand der deutschen Dialektologie. Demgegenüber ist viel weniger bekannt, dass vor allem in Wenkers originalen Erhebungen im Deutschen Reich, aber auch in einigen der Nacherhebungen, nicht-deutsche Materialen teilweise systematisch, teilweise auch eher zufällig, mit erhoben wurden. So bieten die Wenker-Materialien etwa auch Daten zum Dänischen (Südjütisch), Französischen (Elsass, Lothringen und Malmedy) und Baltischen (südwestliches Litauisch und Nehrungskurisch). Darüber hinaus sind vor allem zahlreiche Slavinen vertreten (neben den westslavischen Sprachen, Sorbisch, Kaschubisch, Polnisch und Tschechisch auch die südslavischen Sprachen Slovenisch und Kroatisch). Mit über 2'000 Übersetzungen am besten ist das Polnische vertreten. 
Im Vortrag wird, nach einer kurzen Einführung in die Materialien, anhand eines Samples von ca. 2’500 über das gesamte Gebiet verteilten Ortspunkten, die insgesamt 13 verschiedene Sprachen repräsentieren, aufgezeigt, wie das Wenker-Material in syntaktischer Hinsicht gewinnbringend analysiert werden kann. Neben wenigen beispielhaften Einzelanalysen werden auf verschiedenen Einzelanalysen beruhende Ähnlichkeitsberechnungen präsentiert. Dies erlaubt Einschätzungen darüber, welche Räume bezogen auf die Einzelsprachen syntaktisch besonders eigenständig sind, und lässt darüber hinaus auch über Sprach- und Dialektgrenzen gehende Räume hervortreten. Auf diese Weise können Effekte von Sprachkontakt erkannt werden. Als grosser Vorteil erweist sich dabei die an den einzelnen Ortspunkten jeweils identische Erhebungsmethode: Strukturell gleiche oder unterschiedliche Antworten können somit nicht über die Erhebungsmethode erklärt werden, sie müssen die lokalen sprachlichen Gegebenheiten in einer bestimmte Weise widerspiegeln. 

Hinweis: In einem dem Vortrag vorangehenden ca. 4-stündigen Workshop besteht die Möglichkeit, einen vertieften Blick in die konkrete Arbeit mit den Wenker-Materialien zu gewinnen. 

 


Stephen R. Anderson (Yale University)

Is Morphology Really About 'Morphemes'?

Dienstag, 5. Juli 2016, 10:15 Uhr bis 12:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

 


Lars Hinrichs (Texas)

The Language of Diasporic Blogs: A Framework for the Study of Rhetoricity in Written Online Code-Switching

Dienstag, 21. Juni 2016, 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Englisches Seminar, Plattenstrasse 47, 8032 Zürich

 


Anja Stukenbrock (Lausanne)

On the market now: Eye-tracking joint attention in mobile settings

Dienstag, 10. Mai 2016, 17:45 Uhr bis 19:00 Uhr

Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Diese Veranstaltung findet im Rahmen eines Kurzzeitfellowships statt. Organisiert werden die Aktivitäten von Angelika Linke und Heiko Hausendorf.

 


Leelo Keevallik (Linköping)

Voice as a resource for mobilizing the bodies

Dienstag, 10. Mai 2016, 16:15 Uhr bis 17:30 Uhr

Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Diese Veranstaltung findet im Rahmen eines Kurzzeitfellowships (finanziert vom UFSP Sprache und Raum) statt. Organisiert werden die Aktivitäten von Angelika Linke und Heiko Hausendorf.

 


Susanne Tienken (Stockholm)

Mehrsprachigkeit als Ressource sozialer Positionierung. Zum Gebrauch des Deutschen im schwedischen Hochadel des 17. Jahrhunderts

Donnerstag, 21. April 2016, 18:15 Uhr bis 20:00 Uhr

Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Das Phänomen der historischen Mehrsprachigkeit ist in der bisherigen Forschung hauptsächlich von der Kontaktlinguistik sowie der historischen Soziolinguistik wahrgenommen worden. Für den skandinavischen Raum ist heute unumstritten, dass Mehrsprachigkeit die Sprachensituation vielerorts prägte. Dabei sind Aus- tauschprozesse auf verschiedenen sprachlichen Realisierungsebenen sowie die Verwendung bestimmter Sprachen in spezifischen sozialen Domänen in den Blick genommen worden (vgl. Braunmüller et al. 2014, Glück 2002, Glück 2013). Anders als in der anthropologischen Linguistik ist jedoch kaum untersucht worden, inwiefern die Wahl einer Sprache oder eines Registers in indexikalische Zuschreibungsprozesse eingebunden war und somit die Positionierung im sozialen Raum erst ermöglichen konnte. 
Unter der Grundannahme, dass Sprache als sozial eingebundenes Sprachensystem immer auch kulturellen Sinn aufzuzeigen vermag, soll anhand von Beispielen aus dem schwedischen Hochadel des 17. Jahrhunderts der Frage nachgegangen werden, ob und inwiefern der Gebrauch des Deutschen als Ressource sozialer Positionierung funktionieren konnte (vgl. Agha 2003, Agha 2007). Damit soll auch ein Weg aufgezeigt werden, wie der soziokulturelle Sinn historischer Mehrsprachigkeit rekonstruiert werden kann.

 


Susanne Tienken (Stockholm)

Wie kommt das Neue in die Welt? Methoden und Erklärungsansätze kulturanalytischer Linguistik am Beispiel Sternenkind

Dienstag, 19. April 2016, 12:15 Uhr bis 13:45 Uhr

Rämistrasse 59, 8001 Zürich

Scholars and students at all levels will have the opportunity to discuss with Susanne Tienken data and details related to the following research foci, namely linguistic cultural analysis, text and discourse analysis, historical sociolinguistics and language in the new media.

Organisiert von Angelika Linke, im Rahmen der Vorlesung "Kulturanalytische Linguistik"

 


Klaus von Heusinger und Chiara Gianollo (Köln)

Zwischen definit und indefinit - vier Gebrauchsweisen von Demonstrativa

Donnerstag, 14. April 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

Deutsches Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Der Vortrag im Kolloquium des UFSP Sprache und Raum findet im Rahmen eines Kurzzeitfellowships statt. Organisiert werden die Aktivitäten von den UFSP-Mitgliedern Johannes Kabatek, David Gerards, Marianne Hundt und Elisabeth Stark.

 


Jan Šnajder (Zagreb)

DErivBase: Derivational Morphology meets Distributional Semantics und introductory tutorial on machine learning

Dienstag, 22. März 2016, 10:15 Uhr bis Donnerstag, 24. März 2016, 14:00 Uhr

Binzmühlestrasse 14, 8050 Zürich; Schönberggasse 11, 8001 Zürich

As part of the University of Zagreb mobility program, Jan Snajder will be visiting the CorpusLab (URPP Language and Space) from 21 to 24 March. In addition to his talk at the CL research seminar, Jan will give a two-part introductory tutorial on machine learning, covering the following notions and topics: 

23 March 16h-18h, room SOE-F-11: 
- Typical steps in applying a machine learning algorithm - Example space - Hypothesis and model - Empirical error - Version space - Model complexity - Inductive bias - Three components of every ML algorithm - The problem of noise in the data - Model selection


24 March 12h-14h, room SOE-F-11: 
Popular classifiers: - Naive Bayes - Decision tree - Support vector machines 

The tutorial is part of the course "CL AV / WV: Cross-linguistic transfer of lexical semantic representations", but it is open to up to 10 students and researchers outside of the course. If you would like to attend the tutorial, send a short note to Tanja Samardzic. If there are more than 10 interested individuals, priority will be given to the students who attended this course or "Techniques of Semantic Processing" earlier. 

No machine learning background is needed to follow the tutorial, but basic programming in Python is necessary. 

 


Yves Scherrer (Genf)

Dialektometrische Experimente mit SDS- und SADS-Daten

Donnerstag, 11. Februar 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UZH Hauptgebäude, Rämistrasse 71, 8006 Zürich

In Zusammenarbeit mit Philipp Stoeckle interessiere ich mich für den Vergleich verschiedener linguistischer Ebenen (bzw. das dazu verfügbare Kartenmaterial aus dem SDS und dem SADS) mittels dialektometrischer Techniken. Dabei möchten wir die verschiedenen Dialektlandschaften, die sich durch die dialektometrische Aggregation von Karten aus verschiedenen linguistischen Ebenen ergeben, vorstellen und analysieren.

 


Yves Scherrer (Genf)

The dialectometrical analysis of French regionalisms

Donnerstag, 04. Februar 2016, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr

UFSP Sprache und Raum, Freiestrasse 16, 8032 Zürich

In 2015, Avanzi et al. have launched online surveys to inquire about regionalisms in European French, comparable to the 'Atlas der deutschen Alltagssprache' for German-speaking Europe. We are currently investigating the use of this dataset for localisation prediction. I will show how data analysis techniques from dialectometry, like hierarchical clustering or kernel density estimation, not only yield interesting results by themselves but also contribute to define the prediction algorithm more accurately.