Reflexion digitaler Lehre

im Rahmen der P-8-Initiative: Digital Skills for You

Das Projekt strebt eine empirisch fundierte Reflexion praktischer Aspekte digitalisierter Unterrichtskommunikation an. Die Grundlage dafür liefern authentische Audio- und Videodaten von UZH-Lehrveranstaltungen aus dem FS20 und HS20 (Vorlesungen und Seminare auf zoom, Adobe Connect, Teams). Auf diese Daten nehmen wir in unseren Publikationen (Video, Text, online) direkten Bezug.

Wir konzentrieren uns sowohl auf online-Veranstaltungen wie auch hybride Lehre und zeigen für die verschiedenen Formate auf, wie die technisch und medial bedingten Kommunikationsmöglichkeiten zur gemeinsamen Herstellung von "Anwesenheit" (durch simulierte und emulierte Wahrnehmungswahrnehmung) das Zusammensein prägen und lehralltägliche Momente wie Frage-Antwort-Sequenzen grundlegend beeinflussen.

Die Analyse von authentischen Daten ermöglicht eine grundlegende Reflexion der digitalen “social situation” (Goffman 1964). Sie erfolgt im methodologischen Rahmen der multimodalen Interaktionsanalyse (Goodwin 1981; Streeck et al. 2013; Mondada 2014) mit besonderem Blick auf den Zusammenhang von interaktiver Konfiguration (Hochuli 2019) im Zusammenspiel mit der Interaktionsarchitektur (Hausendorf/Schmitt 2016) der jeweiligen Plattform. Eine wichtige Referenz stellen medienlinguistische und konversationsanalytische Arbeiten zur Interaktion im digitalen Raum dar (vgl. etwa Marx/Schmitt 2019, Licoppe/Morel 2012.)

Der Baustein soll die Dozierenden bei der Planung und Durchführung ihrer zukünftigen Unterrichtseinheiten und insbesondere auch bei der Wahl der digitalen Formate unterstützen, indem die kommunikativen Implikationen didaktischer Entscheidungen transparent(er) werden.

Projektlaufzeit: 2021-2023

Am Projekt beteiligt sind: Prof. Dr. Heiko Hausendorf, Dr. Kenan Hochuli, MA Johanna Jud, MA Alexandra Zoller.

Institutionelle Einbindung: Das Projekt ist angebunden an das SNF-Projekt “Interaktion und Architektur” //link//, aus dem es hervorgegangen ist. Es ist Teil der Forschungsinitiative “Emergenz und Emulierung von Ko-Präsenz: Wie die Digitalisierung grundlegende Bedingungen des Kommunizierens verändert” am UFSP Sprache und Raum und am Deutschen Seminar der Universität Zürich.

Literatur:

Goodwin, Charles (1981): Conversational organization. Interaction between speakers and hearers. New York: Academic Press (Language, thought, and culture).

Goffman, Erving (1964): The Neglected Situation. In: American Anthropologist (Vol. 66, No. 6, Part 2: The Ethnography of Communication), S. 133-136.

Hausendorf, Heiko; Schmitt, Reinhold (2016): Interaktionsarchitektur und Sozialtopographie: Basiskonzepte einer interaktionistischen Raumanalyse. In: Heiko Hausendorf, Reinhold Schmitt und Wolfgang Kesselheim (Hg.): Interaktionsarchitektur, Sozialtopographie und Interaktionsraum. 1. Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto (Studien zur deutschen Sprache, 72), S. 27-54.

Hochuli, Kenan (2019): Turning the Passer-by into a Customer: Multi-party Encounters at a Market Stall. In: Research on Language & Social Interaction 52 (4), S. 427-447. DOI: 10.1080/08351813.2019.1657288.

Streeck, Jürgen; Goodwin, Charles; LeBaron, Curtis (Hg.) (2013): Embodied interaction. Language and body in the material world ; [learning in doing: social, cogmitive, and computational perspectives]. 1. paperback ed. New York: Cambridge Univ. Press.

Licoppe, Christian; Morel, Julien (2012): Video-in-Interaction: “Talking Heads” and the Multimodal Organization of Mobile and Skype Video Calls. In: Research on Language & Social Interaction 45 (4), S. 399-429. DOI: 10.1080/08351813.2012.724996.

Marx, Konstanze; Schmidt, Axel (Hg.): Interaktion und Medien : Interaktionsanalytische Zugänge zu medienvermittelter Kommunikation: Universitätsverlag Winter.

Mondada, Lorenza (2014): The local constitution of multimodal resources for social interaction. In: Journal of Pragmatics 65, S. 137-156. DOI: 10.1016/j.pragma.2014.04.004.