Fokussierte Forschungsgruppe "Interaktionsräume: Interaktionsarchitektur, öffentlicher Raum und Virtualität"

Raum und Räumlichkeit bilden für diejenigen, die sich in einer kommunikativen Situation befinden, sowie für Schreibende und Lesende eine wichtige Kommunikationsgrundlage. Gleichzeitig sind Raum und Räumlichkeit nicht einfach gegeben, sondern als kommunikative Ergebnisse zu betrachten, die durch Wahrnehmung, Bewegung und Handlung (einschliesslich Sprechen und Hören, Schreiben und Lesen) entstehen. Daher ist die Fokussierung auf Raum und Räumlichkeit seit Beginn eines der zentralen Anliegen des UFSP. Während der ersten Laufzeit des UFSP wurden drei zentrale Forschungsbereiche ermittelt und ausgearbeitet: Interaktionsarchitektur, der öffentliche Raum und Virtualität. Diese Bereiche werden in der nächsten Förderperiode systematisch weiterentwickelt.

Die Interaktionsarchitektur bezeichnet das Interesse an den Auswirkungen von gebauten Räumen auf die Interaktion. In der institutionalisierten Kommunikation sind diese Auswirkungen besonders deutlich erkennbar, wenn man bedenkt, dass für bestimmte Bereiche auch spezialisierte Architekturen in Form von spezifischen Gebäudestrukturen und -settings mit jeweils eigenen Usability Cues entwickelt wurden. Beispiele dafür sind im Bildungssystem Schulen mit Klassenzimmern sowie Universitäten mit Hörsälen, im religiösen Bereich Kirchen und im Bereich der Ausstellungskommunikation Museen. Neben diesen eher naheliegenden Beispielen finden sich auch spezialisiertere Settings wie der Schalter bei Verkaufsinteraktionsprozessen. Bislang wurden diese Formen der Interaktionsarchitektur mit wenigen Ausnahmen weitgehend als eigenständige Themen in der Gesprächsforschung vernachlässigt. Vor diesem Hintergrund ist daher die Fokussierung auf das Konzept der Interaktionsarchitektur sowie das damit verbundene Konzept der Usability Cues zu verstehen. Empirisch stehen zwei Projekte im Mittelpunkt der zweiten Laufzeit; die Ausstellungskommunikation in Wissenschafts- und Technologiezentren und eine vergleichende Untersuchung von Interaktionsarchitekturen im Wandel: vom Hörsaal bis zum Multimedia-Hub, vom Kirchenraum bis zum Treffpunkt, vom Schalter bis zum Dienstleistungszentrum.

Der öffentliche Raum bezieht sich auf einen Aspekt, der auch im Kontext der institutionalisierten Kommunikation diskutiert wurde, denn das Museum, der Kircheninnenraum und die Schalterhalle sind bereits Beispiele für mehr oder weniger öffentliche Räume, die für jeden, der sie nutzen will, allgemein zugänglich sind. Im Mittelpunkt der Forschungsprojekte stehen daher zwei Hauptfragen: Was sich daraus schliessen lässt, wenn der öffentliche Raums als Merkmal der Kommunikation betrachtet wird und insbesondere wie der öffentliche Raum durch spezifische kommunikative Praktiken kollektiv gestaltet wird. Im Mittelpunkt steht das interaktive Verhalten zwischen (scheinbar) unbeteiligten, aber dennoch mitwirkenden Akteuren, die mit ihren Körpern öffentliche Räume bilden, indem sie systematisch als soziale Einheiten in diesem speziellen Raum (re)agieren. Zu den Hauptzielen gehört eine empirisch fundierte Neukonzeption der (vor allem "unfokussierten") Interaktion im urbanen Aussenraum als konstitutives Element des öffentlichen Raums.

Die Virtualität befindet sich am Ende des Spektrums, das von naher bis ferner Kommunikation reicht. In virtuellen Räumen bildet die wahrnehmbare und ortsbezogene Kopräsenz der Teilnehmer nicht mehr das verbindende Merkmal der Interaktion. Stattdessen entsteht in einer solchen Situation eine technologisch vermittelte kommunikative Erreichbarkeit zwischen den Beteiligten. Musterbeispiele dafür sind Kommunikationssituationen in digitalen Räumen, in denen Raum und Räumlichkeit entweder sichtbar und lesbar (z.B. WhatsApp), im 3-D-Format (z.B. Second Life) oder multimodal (z.B. Twitch) aufgebaut sind. Innerhalb der Fokussierten Forschungsgruppe Interaktionsräume ist diese Art der Forschung zur Kommunikation in virtuellen Räumen eine wichtige Vergleichsgrösse für die anderen Projekte zu Interaktionsräumen, die auf örtlicher Kopräsenz der Teilnehmer basieren. So wird diese Art der Forschung in der zweiten Laufzeit des UFSP in Projekten fortgesetzt, die sich mit multimodaler Kommunikation und der Rolle des Raumes (z.B. der hochkomplexen Überschneidung verschiedener virtueller und physischer Räume) in digitalisierten Kommunikationslandschaften befassen.