Christina Brandenberger, MA

Christina Brandenberger, MA

Doctoral student (Video Group)

Anschrift: Schönberggasse 15, 8001 Zürich

Raumbezeichnung: SOB E 3

christina.brandenberger@uzh.ch

Christina Brandenberger ist seit 1. August 2016 Mitglied im UFSP Sprache und Raum.



Interaktive Wissenskonstruktion im Science Center: Zur Rolle interaktiver Verfahren der Vermittlung multisensorialer Erfahrungen (Doktoratsprojekt)

Abstract

Science Center sind Naturwissenschafts- und Technikmuseen, die ihre Besucher dazu einladen, an Experimentierstationen naturwissenschaftliche Phänomene selbständig zu entdecken. Das Projekt Interactive discoveries: A video and eye-tracking based study of knowledge construction in science centres, in dessen Rahmen meine Dissertation entsteht, untersucht Besucherinteraktionen im Science Center Technorama in Winterthur, um den grundlegenden Mechanismen, mit denen sich Besucherinnen und Besucher an den Experimentierstationen gemeinsam Wissen erarbeiten, auf die Spur zu kommen.

Quelle: Technorama

Dazu begleiten wir kleine Gruppen von 2-3 Besuchern mit zwei Videokameras und dokumentieren zusätzlich ihr Blickverhalten mit Eye-Tracking-Brillen. Mit den Mitteln der Gesprächsanalyse und der multimodalen Interaktionsanalyse rekonstruieren wir dann die Alltagsmethoden, mit denen Menschen gemeinsam etwas in ihrer Umwelt entdecken, das Entdeckte als naturwissenschaftliches Phänomen formulieren und sich ein gemeinsames Verständnis der entdeckten Phänomene erarbeiten.

Mein Dissertationsprojekt setzt dabei den Fokus auf die Techniken, mit denen Besucherinnen und Besucher ihre individuelle multisensoriale Wahrnehmung für andere Interaktionsteilnehmer und -teilnehmerinnen verfügbar machen und interessiert sich somit für den Prozess, der von der individuellen Wahrnehmung zur sozialen Konstruktion von Wissen führt. Indem die einzelnen Interaktionsteilnehmer ihre individuelle Erfahrung interaktiv relevant setzten und dadurch einen intersubjektiven Wahrnehmungsfokus ermöglichen, wird einerseits eine wichtige Voraussetzung zur interaktiven Wissenskonstruktion geschaffen. Andererseits gehört das Mitteilen von Wahrnehmung auch zum gemeinsamen Erleben, was ein zentrales Element eines gemeinsamen Museumsbesuchs ist.

Quelle: Technorama

Durch die Analyse sollen einerseits die Techniken rekonstruiert werden, die die Besucherinnen und Besucher anwenden, um ihre Erfahrungen und Beobachtungen den Interaktionspartnern verfügbar zu machen und aufgezeigt werden, wie diese Techniken mit der interaktiven Konstruktion von Wissen über Naturphänomene in Zusammenhang stehen. Andererseits sollen weitere Funktionen des Vermittelns der eigenen Wahrnehmung beschrieben werden. Gerade der Fokus auf die Multisensorialität erlaubt es, interaktive Verstehensprozesse detailliert zu erfassen und somit den Mechanismen auf die Spur zu kommen, auf die der grundlegende didaktische Ansatz von Science Centern abzielt.

Das Technorama macht sich nämlich in seinem didaktischen Manifest zum Ziel, seinen Besuchern möglichst authentische Erfahrungen mit Naturphänomenen zu vermitteln. Sie sollen durch Zweifeln und Staunen zu neuen Erkenntnissen kommen und am Exponat selbst dazu angeregt werden, über das Erlebte zu kommunizieren. Durch seine erfahrungszentrierte Didaktik bietet das Technorama die idealen Voraussetzungen zur Untersuchung, wie die Besucherinnen und Besucher die Elemente des Museumraums nutzen, um über die sinnliche Konfrontation mit den fraglichen Phänomenen gemeinsames Wissen über Naturphänomene zu konstruieren. Bei der gemeinsamen Nutzung der Experimentierstationen konstruieren Besucherinnen und Besucher geteiltes Wissen, indem sie sich darüber austauschen, was sie sinnlich wahrnehmen, wissen oder durch das Exponat erfahren.  Diese Entdeckungsprozesse sind ein charakteristisches Merkmal von Science Centern. Obwohl gerade die interaktive Wissenskonstruktion durch multisensoriales Erleben in Science Centern deren Beitrag zum Public Understanding of Science ausmacht, ist sie noch wenig erforscht. Das gegenwärtige Dissertationsprojekt beabsichtigt dazu beizutragen, diese Lücke zu füllen. Genauere Kenntnisse über die alltäglichen Methoden, mit denen Menschen etwas in ihrer Umgebung bemerken, diese Entdeckung andern weitergeben und sich ein gemeinsames Verständnis für das erlebte Phänomen aneignen, könnten sowohl die Wissenskommunikation in Science Centern beeinflussen, als auch theoretische Grundlagen für andere wissensvermittelnde Situationen bilden.

Quelle: Technorama

Indem das Projekt auf die Konstruktion geteilter Sinneserfahrungen im Gespräch der Besucher fokussiert, baut es eine Brücke zwischen Gesprächsanalyse und der museologischen Besucherforschung. Gleichzeitig erweitert es das Methodenspektrum dieser beiden Wissenschaften durch den Einsatz von Eye-Tracking-Brillen und untersucht das Spannungsfeld von individueller Wahrnehmung und sozialer Konstruktion von Wissen.

 

Betreuung: Wolfgang Kesselheim, Heiko Hausendorf

Finanzierung: SNF

Studying Multimodal Interaction in Augmented Reality Games: Methodological Reflections (“Pokémon Go Projekt”)

Augmented Reality (AR) has been accessible to smartphone users for quite a while now, however, it was only with the release of the mobile game Pokémon Go in 2016 that this kind of technology has finally entered the consciousness and the everyday life of millions of people. Even though the number of regular players is in decline already, smartphone applications such as this provide an interesting insight into a recent kind of mobile multimodal and multispatial behaviour. AR apps foster the simultaneous interaction with and the merging of virtual and physical spaces by encouraging the players to move and interact with their actual environment. As the virtually augmented environment is at the same time transformed into another world on screen, players “see the real world, with virtual objects superimposed upon or composited with the real world” (Azuma 1997). This project takes up mobile augmented reality as a research focus and provides, in a first step, a methodological reflection on how to capture the multimodal interaction among players while being collaboratively engaged in the gameplay of Pokémon Go, but also between single or team players and their environment at the boundaries of virtual and physical space. We want to answer the question, how video and audio data can be collected by using various technological tools in order to make multimodal interaction as well as both spaces and the transitions between them observable.

 

Project leadership: Nathalie Meyer, Christina Brandenberger

Funding source: URPP Language and Space

 

Pokémon Go
Pokémon Go
Split screens of our five data streams showing: participant (player) manipulating the screen and moving through space, screen and audio recording, screen manipulation and head orientation, researcher recording the participant and trying to anticipate her actions.

Workshops

Aktive Teilnahme
07.04.17 - 08.04.17 Seeing and Noticing – Videoanalyse in Action (V) Gattungen, Formen und Strukturebenen, Graduate School, Universität Bayreuth. Beitrag zusammen mit Christoph Hottiger: Besucherinteraktionen im Museum.
Organisation
10.11.17 – 11.11.17 Workshop zu Wissen in Interaktion im Technorama in Winterthur, organisiert zusammen mit Wolfgang Kesselheim und Christoph Hottiger.
01.09.17 – 03.09.17 Besucherworkshop «Ein Entdecker kommt selten allein» an der Scientifica, Universität Zürich, organisiert zusammen mit Wolfgang Kesselheim und Christoph Hottiger.

Posterpräsentationen

23.04.17 – 28.04.17   Defining the Boundaries of Exhibits in Science Centres – Between Architecture and Visitors’ Usage. Poster zusammen mit Christoph Hottiger im Rahmen der Boundaries and Transitions in Language and Interaction: Perspectives from Linguistics and Geography, UFSP Sprache und Raum der Universität Zürich, MonteVerità.
 

Vorträge

23.11.17     Sharing perception when using hands-on exhibits in science centres: The case of vocal depiction, gemeinsam mit Christoph Hottiger im Rahmen des Forschungsnachmittags des UFSP Sprache und Raum der Universität Zürich
22.09.17     Studying Multimodal Interaction in Augmented Reality Games,
gemeinsam mit Nathalie Meyer im Rahmen der BreMM17 Multimodality, Unversität Bremen Blogbeitrag
04.04.17     Studying Multimodal Interaction in Augmented Reality Games: Pokémon Go
gemeinsam mit Nathalie Meyer im Rahmen der Vorlesung Interaktion im virtuellen und physischen Raum von Christa Dürscheid, Universität Zürich
16.02.17     Making Individual Sensorial Experiences Available in Interaction: A Video and Eye-Tracking Based Study of Knowledge Construction in Science Centers
gemeinsam mit Christoph Hottiger im Rahmen der Young Researchers Conference of the Centre for Research on Social Interactions (CRSI-YR) 2017, Universität Neuchatel

Publikationen

Christina Brandenberger, Christoph Hottiger: Sharing perception when using hands-on exhibits in science centres: The case of vocal depiction, Travaux neuchâtelois de linguistique, 2018 (in press).